Unsere Maturantinnen 2010

 

mit ihren Prüfern und dem Maturavorsitzenden Landesschulinspektor Mag. Hemetsberger:

   
   
   

 

Mit Auszeichnung bestanden haben:

Angelika Emberger

Stefanie Huber

Daniela Kraft

Julia Kronthaler

Cornelia Schaupensteiner

 

Mit gutem Erfolg bestanden haben:

Marissa Ferner

Lisa Flecker

Magdalena Gruber

Carina Kainz

Julia Kendlbacher

Lisa Kohlberger

Verena Moser

Nina Nebauer

Lea Riepler

Elisabeth Steinbacher

Lisa Walcher

Lisa Wurzer

 

Die Matura bestanden haben:

Verena Abbascia

Anna Brunauer

Bettina Grünwald

Stefanie Hofer

Lisa Höller

Corina Hornegger

Sandra Lederer

Natalie Neumayr

Carina Rieder

Johanna Schneider

Regina Vidreis

Bianca Vierthaler

Sandra Wilhelmi

 

Diplomverleihung 2010:

Klassenvorstand Mag. Franz Schubert... und Klassensprecherin Carina Kainz bei ihren berührend-launigen Ansprachen
Verleihung der "Schubertkugel" Absolventinnen 2010 mit ihren Lehrern

 

Rede des Klassenvorstandes zur Diplomfeier 2010

 Sehr verehrte Ehrengäste, liebe Eltern und Anverwandte, liebe Kolleginnen und Kollegen, vor allem aber liebe Absolventinnen!

 Fünf Jahre lang durfte ich euer Klassenvorstand sein. Ich war es trotz und wegen mancher Herausforderungen gerne und ich habe durch wieder viel gelernt.

Bei meinen Überlegungen was das Thema meiner Abschlussrede sein könnte, kam ich bald auf die Begriffe Individualismus und Gemeinschaft!

Die tägliche Auseinandersetzung damit  kennzeichnet euch als einzelne Persönlichkeiten, als Klasse, mich als Klassenvorstand und die Schulgemeinschaft der BAKIP Bischofshofen. Wenn wir uns euren Schulbesuch hier anschauen, dann begann sie mit einer individuellen Leistung bei den Eignungsprüfungen, setzte sich fort in einem fünfjährigen Bemühen um Gemeinschaftsfindung und wird beendet durch eine reife Einzelleistung bei der Matura.

 Die erste Stunde am 12. Sept. 2005 ist mir noch gut in Erinnerung: in der Sesselkreisrunde saßen für ihr Alter sehr große, selbstbewusst wirkende, im positiven Sinne fordernde und schon spürbar ehrgeizige junge Damen. Der Schulwechsel ist erfolgt, die Freude über die Aufnahme ist groß, die Motivation im ersten Schuljahr ebenso, trotzdem steht ab der ersten Begegnung im Klassenzimmer unbewusst die Frage im Raum: Wie kann ich mich behaupten? Werde ich in dieser Gemeinschaft akzeptiert? Wie kann ich meine Individualität – das, was mich unteilbar (lat. individuus) macht – schützen? Wer kann mit wem? Kann ich mich einer Gruppe anschließen? Erste Interessengruppen entstehen sehr schnell. Die Frage nach der Klassengemeinschaft – nach dem, was allen gemein ist – stellt sich am Anfang gar nicht. Sie muss erst entstehen und braucht auch ihre Zeit, ist doch diese Gemeinschaft mit 31 Personen zu Beginn erzwungen. Man kann sich die Mitschüler nicht aussuchen, auch die Lehrer und den Klassenvorstand nicht.

 Wir leben in einem Land, das in schon länger praktizierter demokratischer Tradition im Großen und Ganzen viel individuelle Freiheit ermöglicht. Da fällt mir nun ein Spruch ein, den mein Vater oft auf den Lippen hatte und der auch für mich wichtig ist:  „Die Freiheit eines Menschen endet dort, wo die Freiheit eines anderen eingeschränkt wird.“ Ein weiser Satz! Nur: Wo endet die Freiheit, wo beginnt sie? Wie viel individuellen Egoismus verträgt eine Gemeinschaft oder wie viel Druck kann eine Gemeinschaft ausüben ohne den einzelnen zu frustrieren oder gar zu verletzen.

Können christliche, muslimische und andere religiöse Gemeinschaften in einem Staat neben- und miteinander leben, in vollkommener individueller Freiheit und gegenseitiger Akzeptanz?

Ist die Einschränkung der persönlichen Freiheit durch die Geburt und das Aufziehen eines Kindes wirklich so groß, dass viele die individuelle Freiheit vorziehen?

Welche Grenzen soll man einem Kind setzen, um es in eine Gemeinschaft zu integrieren, ohne dass man es in seiner individuellen Entwicklung stört?

Wird die Freiheit der Lehrer oder die Klassengemeinschaft wirklich so eingeschränkt, wenn man einmal im Unterricht fehlt?

 In unserem demokratischen Denken sind Freiheit, Individualismus und Gemeinschaft hohe Werte und sollen im Idealfall ausgewogen gelebt werden dürfen. Bei Frau Schreilechner habt ihr sicherlich gehört, dass es in Geschichte und Gegenwart dramatische Missverhältnisse auf unsere Erde gab und gibt (s. Nationalsozialismus, Nordkorea, Wirtschaftsliberalismus, Konformismus etc.)

 Die Entwicklungsschritte des Jahrgangs 2005 zu einer Klassengemeinschaft möchte ich nun anhand von einzelnen Ereignissen aus meiner Sicht darstellen.

 Einem Tipp von Frau Werner folgend organisierte ich zu Schulbegin der 1. Klasse einen zweitägigen Wandertag mit Übernachtung auf der Kleinarler Hütte. Von dieser ersten Kennenlernrunde erzählt ihr bis heute. Die hinterließ einen bleibenden positiven Eindruck – möglicherweise der Grundstein für euer Gemeinschaftsgefühl.

In der Schikurswoche in Obertauern konntet ihr euch außerhalb der Schulmauern wieder von einer anderen Seite kennen lernen. Vor und nach euch hatten etliche Schülerinnen Probleme mit Unterkunft und Verpflegung im Bergheim von Obertauern – so sehr, dass der Schikurs mittlerweile woanders stattfindet – aber ihr wart entweder sehr genügsam oder wart euch selber genug. In meinem KV-Bericht am Ende des ersten Jahres habe ich unter anderem über die Klasse resümiert: „Bei Diskussionen und Gruppenarbeiten werden Vorschläge eingebracht und Entscheidungen relativ leicht akzeptiert. Die Autorität der Lehrer wird noch häufig willkommen angenommen!“ 

Am Beginn des zweiten Jahres gab es einige Probleme im Klassenklima. Die kleinen Interessengruppen – so hatte ich das Gefühl – behinderten sich gegenseitig, so dass es eine Art Pattstellung gab, die eine gewisse Trägheit der Klasse hervorbrachte. Doch die Kreativwoche in Zeillern brachte eine deutliche Veränderung. Warum? Nun, erstens war die Klasse in die Vorbereitungsarbeiten stark eingebunden, es gab eine Planungsgruppe, neue Führungspersönlichkeiten kristallisierten sich heraus. Mit dem kreativen Gestalten bei Gesang, Tanz, Malerei und Rhythmik wurde jede in ihren individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten bestätigt und in den Präsentationen gab es eine Plattform sich zu zeigen. An der Kreativwoche haben alle Schülerinnen teilgenommen. Das Ambiente von Zeillern, das gute Essen, die schöne Woche und freizeitlichen Aktivitäten, wie Federball, Volleyball, Schwimmen, Lagerfeuer und Discobesuch trugen zum perfekten Gelingen bei.

Ich kann mich aber auch erinnern, dass ihr Betty Grünwald am Beginn der zweiten Klasse bald und voll integriert habt (jetzt wart ihr 32), dass manche, die schulische Probleme hatten, großartige Unterstützung durch Mitschülerinnen bekamen, und dass der tragische Unfalltod von Lisas Vater große Betroffenheit auslöste und dass sich Lisa danach bei euch gut geborgen fühlen konnte.

 Das dritte Jahr begann mit einem noch dichteren Stundenplan. Da kann es nicht verwundern, dass einen die 32 Individuen manchmal nerven. Doch die Projektwoche in Malta dient als Rettungsanker und so lautet es im KV-Bericht des 2. Semesters: „Es ist bemerkenswert, dass alle 32 Schülerinnen an der Projektwoche in Malta teilgenommen haben. Die solidarische finanzielle Unterstützung von einigen Teilnehmerinnen, die sich die Fahrt sonst nicht hätten leisten können, durch die Elterngemeinschaft, ist Ausdruck des Gemeinschaftsgeistes. Die Woche lief außerordentlich „rund“ ab. Die Klasse zeigte sich in der Öffentlichkeit als singende Gemeinschaft.“

An dieser Stelle möchte ich Ihnen, liebe Eltern, im Namen der Schule herzlichen Dank sagen für den Grundstein den sie gelegt haben, dass ihre Töchter solch außerordentliche Fähigkeiten für eine funktionierende Gemeinschaft und darüber hinaus für das soziale Gemeinwesen mitbringen. 

Das vierte Jahr beginnt mit dem Maturaball. Vielleicht könnt ihr euch erinnern, dass ich euch bei der Eröffnung ein verbales Zeugnis ausgestellt habe für das Fach „Teamarbeit“, das ihr allesamt mit Auszeichnung bestanden habt. Ihr habt die Vorbereitungen schon bald im Laufe der 3. Klasse begonnen, wart absolut selbständig, habt euch Carina als oberste Koordinatorin auserkoren, habt euch individuell mit euren Fähigkeiten für das Gelingen dieses aufwändigen Projekts eingesetzt und uns Lehrer nicht spüren lassen, dass es eventuelle Meinungsverschiedenheiten gab. Nebenbei ist es euch gelungen das hohe schulische Leistungsniveau, das ihr immer hattet, sogar noch auszubauen, sprich: die Hälfte der Klasse schneidet mit dem Prädikat „ausgezeichneter“ oder „guter Erfolg“ ab. Ich zitiere aus dem KV-Bericht: „Die Klasse hat gelernt mit der Größe umzugehen, sie ist viel ruhiger geworden, es gibt keine Konflikte mehr innerhalb der Klassengruppen, das Miteinander hat einen großen Stellenwert in der Klasse.“ Ihr habt eure Klassenschülerzahl stundenweise sogar noch aufgestockt mit Elke Dieterer, die ihr wunderbar aufgenommen habt. Selbstverständlich nahmen alle Schülerinnen an der Klassenfahrt nach Verona in der letzten Schulwoche teil. Ich möchte aber nicht unerwähnt lassen, dass die Bereitschaft zur Teilnahme am Unterricht im Frühstadium der Volljährigkeit etwas kritischer gesehen wurde.

 Für das abschließende fünfte Jahr möchte ich nur zwei Projekte erwähnen, den Einkehrtag und die Erstellung einer Maturazeitung. Beide zeigen eindrucksvoll auf, was ihr unter Klassengemeinschaft im besten Sinne versteht. Es ehrt mich als KV, dass ihr mich öfters in die Gemeinschaft aufgenommen habt, z. B. zur Verfassung des Editorials in der Maturazeitung oder beim Wichteln oder bei der Krawattenspende für eure Partner beim Maturaball (Geschichte des Anzugs kurz erzählen).

 Mit der Reifeprüfung habt ihr diese Gemeinschaft beendet. Vor der Kommission musstet ihr eure Einzigartigkeit und individuelle Reife zeigen und da gab es auch einige individuelle Bonmots und Situationen:

° Julia Kendlbacher möchte ein trotziges Kind im Geschäft lieber ins Auto setzen, als sich zu schämen.

° Nina Nebauer lässt Holz auch untergehen.

° Bianca Vierthaler atmet lieber tief durch und geht hinaus, bevor sie ein Kind straft und Hr. Maier möchte sich das anschauen.

° Johanna Schneider spricht lieber altenmarkterisch, manchmal auch deutsch, aber sicher nicht ostirisch.

° Cornelia Schaupensteiner setzt mit der Nichtbeantwortung des Kategorischen Imperativs ihren Joker ein.

° Magdalena Gruber löst technische Probleme am Beamer indem sie kurz aus dem Raum verschwindet.

° Elke Dieterer möchte am Schluss ihrer Pädagogik Prüfung trotz Angebot von Hr. Maier nichts mehr sagen.

° Elisabeth Steinbacher verzeiht Hr. Schubert als er ein Werk einem falschen Komponisten zuschreibt: „Das macht gar nichts“.

 Ich habe nun viel von dem erzählt, was uns von euch in Erinnerung bleibt. Ich persönlich bin stolz auf euch, dass ihr alle, die ihr angetreten seid, die Matura geschafft habt. Sabrina Springl möchte ich wünschen, dass sie ihre persönlichen Hindernisse und Hemmnisse überwinden kann, um das zu erreichen, wofür sie fünf Jahre in dieser Schule gearbeitet hat und aktives Mitglied der Schulgemeinschaft war. Zum Thema Individualität und Gemeinschaft möchte ich euch noch einen Gedanken mitgeben.

Kinder tun sich noch leicht ihre individuelle Freiheit einzufordern, für sie ist das Einfügen in die größere Gemeinschaft eine Herausforderung. Als Erwachsene mit mehr Sozialisationserfahrungen heißt Individualität oft Mut zur Unangepasstheit, zum Anderssein. Ich fordere euch auf trotz Schule immer wieder unangepasst zu sein. Doch, wie Hans Eissler, ein Komponist von neuer unangepasster experimenteller Musik, sinngemäß meint: „Wer nur unangepasst ist und sich nicht um die Gemeinschaft kümmert verliert den Boden.“

 Ich möchte euch viel Glück wünschen für die Zukunft, viel Mut zu euren kleinen und großen unangepassten Entscheidungen zu stehen und gleichzeitig nie das Gefühl zu verlieren, dass ihr mit beiden Beinen auf dem Boden steht, Rückhalt habt und in den diversen Gemeinschaften, denen ihr immer wieder angehören werdet, zu bestehen und zu wirken. Ihr seid bestens ausgerüstet mit Wissen, individuellen und integrativen Fähigkeiten und Fertigkeiten, mit einem großen Erfahrungsschatz, wie individuelle, kreative Gestaltung, aber auch Teamarbeit funktionieren kann. Das braucht ihr für eure beruflichen Vorhaben, aber auch für die Familiengründung, zu der sich schon manche von euch bekannt haben. Viel Glück für ein persönlich, zufrieden gestaltetes Leben. Und ich darf alle Lehrer einladen einen uns allen bekannten Kanon für euch anzustimmen:

 Viel Glück und viel Segen auf all‘ euren Wegen. Gesundheit und Freude sei auch mit dabei.

 

Euer KV

Franz Schubert